Soziale Projekte – Headerbild (photo)

Soziale Projekte

Wirkungsmessgrößen

Wir haben Kredite an 585 soziale Unternehmen mit einem Gesamtvolumen von 97,1 Mio. EUR vergeben. Darüber hinaus haben wir Kredite in Höhe von 336,8 Mio. EUR für den sozialen Wohnungsbau zur Verfügung gestellt und dadurch Wohnraum für rund 9.300 Menschen geschaffen.

Soziale Projekte – Wirkungsmessgrößen (Grafik)

Leitbild und Leistungsspektrum

Kreditvergabe soziale Projekte

Prozentualer Anteil unserer Kredite im sozialen Bereich

Soziale Projekte – 10,2% Anteil unserer Kredite im sozialen Bereich (Kreisdiagramm)
  • 7,9% an sozialen Wohnungsbau
  • 2,3% an soziale Unternehmen

Kreditvergabe nach Teilsektoren
(nur soziale Unternehmen)

Soziale Projekte – Kreditvergabe nach Teilsektoren (Kreisdiagramm)

Die Angaben in % ergeben sich aus Daten, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung vorhanden waren.

Unser Leitbild für soziale Projekte

Es gibt eine Vielzahl sozialer Einrichtungen und Wohlfahrtsorganisationen, die wirtschaftlich tragfähige Ansätze zur Behebung sozialer Probleme entwickeln. Gleichzeitig stellen wir fest, dass es immer mehr soziale Unternehmer gibt. Dabei handelt es sich um Einzelpersonen, die aus sozialen Gründen neue Geschäftsmodelle entwerfen, um zum Wohl einer bestimmten Personengruppe in ihrem Umfeld oder in der Gesellschaft beizutragen. Diesen Modellen liegen streng betriebswirtschaftliche Ansätze zugrunde.

Finanzierung der Sozialwirtschaft

Die in den Kinderschuhen steckende „Sozialwirtschaft“ könnte unseres Erachtens neben dem öffentlichen Sektor und dem traditionellen Wirtschaftssektor eine wichtige Rolle in der zukünftigen Wirtschaftsordnung einnehmen.

Unser Fokus

Innerhalb dieses Sektors bauen wir schwerpunktmäßig Geschäftsbeziehungen mit führenden sozialen Unternehmern auf, die nachweisen können, dass sie mit ihrem Geschäftsmodell in ihrem regionalen Umfeld eindeutig soziale Verbesserungen bewirken.

Bei wichtigen Veränderungen bei der Vergabe staatlicher oder öffentlicher Gelder passen soziale Unternehmen oftmals ihr Geschäftsmodell entsprechend an. Daher müssen diese Unternehmen im Hinblick auf die Organisation ihres Geschäfts innovativ sein, um den größtmöglichen sozialen Nutzen bei gleichzeitiger wirtschaftlicher Tragfähigkeit sicherzustellen.

Zu unsere Favoriten zählen Geschäftsmodelle, die potenziell skalierbar sind und ihre Wirkung steigern können, indem sie ihre Geschäft ausbauen und andere dazu anspornen, es ihnen gleichzutun.

Unser Leistungsspektrum

Wie unterstützen soziale Projekte durch die Vergabe von Krediten an Organisationen, die in irgendeiner Form eine positiven, soziale Wirkung erzielen – von Gemeindebetrieben, Fair Trade-Unternehmen und sozialen Unternehmen, die Arbeitsplätze für hilfsbedürftige oder benachteiligte Personengruppen schaffen, bis hin zu gemeinnützigen Unternehmen mit sozialer Zielsetzung und Anbietern von Sozialwohnungen.

Fallbeispiel

Alternatives Familiales
 

Soziale Projekte – Fallbeispiel Alternatives Familiales (photo)

Welche Herausforderung hat den Denkanstoß für dieses Projekt gegeben?

Alternatives Familiales asbl ist eine gemeinnützige Organisation, die Menschen in der belgischen Provinz Brabant, in Brüssel und in Charleroi unterstützt und sich um Kinder und Jugendliche kümmert, die anstelle von staatlichen Heimen in Pflegefamilien untergebracht sind. Die Organisation hat drei Tätigkeitsschwerpunkte: Lenkung und Überprüfung des Wohlergehens des Kindes, Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung eines regelmäßigen Kontakts zwischen dem Kind und seinen Familienangehörigen und Unterstützung der Pflegefamilie.

Derzeit kümmern sich 18 Mitarbeiter, darunter neun Sozialarbeiter, ein Kinderpsychater und drei Psychologen, um die Betreuung von 195 Kindern. Damit ist Alternatives Familiales in Belgien der wichtigste unabhängige Sozialdienst dieser Art. Die Triodos Bank stellte Alternatives Familiales ein Hypothekendarlehen zur Verfügung, das der Organisation den Kauf des seit 1972 angemieteten Gebäudes ermöglicht hat, in dem die Büros von Alternatives Familiales untergebracht sind und das als zentraler Standort für die Arbeit der Organisation dient.

Guy de Backer, Leiter von Alternatives Familiales über die Wirkung seiner Organisation und die Bank, die eine entsprechende Finanzierung bereitgestellt hat:

Zunächst einmal sollten wir uns darüber im Klaren sein, dass es bei uns nicht ums Geschäft geht; wir sind eine im Sozialdienstleistungssektor tätige gemeinnützige Organisation. Bei dem Projekt handelt es sich also nicht um eine Geschäftsinitiative, vielmehr geht es um die Zusammenführung unserer Aktivitäten.

Das Gebäude, in dem unsere Büros und unsere 18 Mitarbeiter untergebracht sind und von dem aus wir seit 42 Jahren als Mieter all unsere Aktivitäten steuern, wurde von den Eigentümern zum Verkauf gestellt. Die Eigentümer wollten von den seit zehn Jahren steigenden Immobilienpreisen in der Gegend profitieren.

Plötzlich sahen wir uns mit dem möglichen Verlust unseres Standorts oder einer potenziellen Mieterhöhung durch einen neuen Eigentümer konfrontiert, wodurch wir gezwungen gewesen wären, uns eine neue Bleibe zu suchen. In Anbetracht der Tatsache, dass die Mieten im letzten Jahrzehnt in dieser Gegend beträchtlich gestiegen sind, wäre das sehr ungünstig gewesen. Zudem spielt der zentrale Standort unseres Büros, der sich zwischen Brüssel, der belgischen Provinz Brabant und Charleroi befindet, für unsere Arbeit eine sehr wichtige Rolle.

Welche Strategie haben Sie zur Lösung dieses Problems entwickelt

Wir konnten nicht mit absoluter Sicherheit sagen, welche Pläne ein neuer Besitzer für die Nutzung des Gebäudes haben würde und somit bestand die einzige Möglichkeit, diese Unsicherheitsfaktoren ein für allemal aus dem Weg zu räumen und unseren kontinuierlichen Fortbestand an diesem Standort zu sichern, darin, das Gebäude selbst zu kaufen. Damit hätten wir nicht nur unseren Standort behalten, sondern auch unser Vermögen bündeln können. Da Alternatives Familiales jedoch kein Unternehmen im eigentlichen Sinne des Wortes ist, handelte es sich dabei um eine einzigartige Initiative und einen durchaus innovativen Ansatz zur Lösung des Problems.

Welchen Einfluss hatte die Triodos Bank auf Ihr Vorhaben?

Die Triodos Bank hat mit uns eine Hypothekenfinanzierung ausgearbeitet, mit der zwei sehr wichtige Ziele erreicht werden konnten. Zum einen sollte unsere Arbeit weiterhin von dem bisherigen zentralen Standort getätigt werden, denn dieser Standort war in den vergangenen 42 Jahren von zentraler Bedeutung für unsere Arbeit. Wir haben uns in diesem Gebäude so zuhause gefühlt, dass wir als Mieter sogar auf eigene Kosten Renovierungsarbeiten durchgeführt haben. Unser zweites, eher längerfristiges doch nicht weniger bedeutsames Ziel bestand darin, unser Vermögen zu bündeln und schließlich in 25 Jahren vollständiger Eigentümer einer wertvollen Immobilie zu sein. Die Kosten für dieses Vorhaben sind höher also die vorherigen Mietausgaben, doch wir konnten eine unwiederbringliche monatliche Ausgabe in eine monatliche Anlage in einen Vermögenswert umwandeln, der - wie wir hoffen und erwarten - an Wert gewinnen wird.

Die Triodos Bank hat in den letzten zehn Jahren auch unser Portfolio aus ethischen Investments verwaltet. Sie stand uns als Partner bei unserem Wachstum und unserer Konsolidierung unterstützend zu Seite. Dies wiederum hat es uns ermöglicht, durchgängig qualitativ hochwertige Dienstleistungen für Menschen anzubieten, die uns besonders am Herzen liegen – Kinder und ihre Familien.

Welchen Einfluss hatten Ihre Aktivitäten auf den Sektor?

Wir sind der größte Dienstleister dieser Art in der Region. Wir überwachen den gesamten Betreuungsprozess für 200 Kinder und Jugendliche ab zwei Jahren bis ins Erwachsenenalter und kümmern uns auch um die Folgebetreuung nach einer Unterbringung.

Die meisten unserer Pflegekinder werden ihr Leben lang von uns begleitet, sodass unsere Betreuung zu einem lebensbestimmenden Faktor wird. Die Unterbringung von Kindern in Pflegefamilien ist im Süden Belgiens weniger verbreitet als im Norden, doch unserer Erfahrung nach ist diese Art der Betreuung für die meisten Kinder zweifelsohne die bessere Alternative zu einem Leben im Heim. Wenn ein Kind in einem sicheren und stabilen Familienumfeld aufwächst, trägt dies positiv zu seiner Entwicklung, seinem Sicherheitsgefühl und seiner fortlaufenden Erziehung bei. Gleichzeitig hat der Staat eine Sorge weniger. Unser Beitrag besteht also darin, für ein normales Familienumfeld einzutreten und dieses zu schaffen, damit benachteiligte Kinder genauso sicher aufwachsen können wie andere Mitglieder der Gesellschaft.

Welchen Einfluss haben Ihre Aktivitäten auf die direkte Umgebung?

Mehr als vier Jahrzehnte lang haben wir die Unterbringung von mehreren Tausend Kindern in Pflegefamilien ermöglicht und überwacht, die ansonsten nicht in einem familiären Umfeld aufgewachsen wären. Unsere Arbeit ist langfristig und wichtig – unser Team umfasst qualifizierte Sozialarbeiter, Psychologen und einen Kinderpsychater. Unsere Verbindungen in die Gesellschaft hinein sind das Herzstück unserer Arbeit, wir suchen nicht nur eine geeignete Pflegefamilie für ein Kind, wir übernehmen auch so lange die Nachbetreuung, wie diese erforderlich ist.

Wir ermöglichen den Kontakt zu den Eltern des Kindes und stehen auch unseren Pflegefamilien unterstützend zur Seite. Zudem setzen wir uns im Rahmen unserer Möglichkeiten dafür ein, dass potenzielle Pflegefamilien entsprechende Unterstützungsleistungen erhalten. Die Aufnahme von Pflegekindern ist in unserer Gegend weniger verbreitet und es ist wichtig, die Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass sie als Pflegefamilie viel Gutes leisten können, nicht nur für das Kind, sondern auch für die Gesellschaft. Denn wir brauchen mehr Pflegefamilien.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit der Vision Ihres Unternehmens identifizieren?

Wir teilen drei gemeinsame Werte: Solidarität, Langfristigkeit und Transparenz. Fachspezifisch ausgedrückt kann unser Sektor als „sozial verantwortlich“ bezeichnet werden. Wir schätzen an der Triodos Bank, dass sie dieselben Werte der sozialen Verantwortung vertritt. Auch sie hat stets die langfristigen Ziele ihrer Kunden im Blick, sie steht gleichzeitig für soziale und materielle Werte ein und legt bei ihrer Arbeit Offenheit und Transparenz an den Tag, was gegenseitiges Vertrauen, Verständnis und Respekt schafft.

The Together Group
 

Soziale Projekte – Fallbeispiel The Together Group (photo)

Welche Herausforderung hat den Denkanstoß für dieses Projekt gegeben?

Den Weg zurück in ein Leben ohne Kriminalität zu finden, stellt viele Wiederholungstäter vor große Schwierigkeiten. Nach Absitzen ihrer Gefängnisstrafe stehen sie häufig vor einem Scherbenhaufen: keine feste Bleibe, Drogenprobleme, zerbrochene Beziehungen, Bildungsdefizite, ein langes Strafregister und wenig Erfahrung in der Arbeitswelt. All diese Faktoren können die Wiedereingliederung in die Gesellschaft und die Suche nach einem Arbeitsplatz enorm erschweren. Zurück bleiben Menschen, deren Leben von äußerst geringem Selbstwertgefühl und Richtungslosigkeit geprägt ist. Die Rückfallquoten sind hoch: Allein in den ersten zwölf Monaten nach der Haftentlassung begehen 26,1% erneut eine Straftat. Die Kosten für die Gesellschaft sind immens. In Großbritannien werden sie auf 9,5 bis 13 Mrd. GBP geschätzt.

Bei jenen, die in das Arbeitsleben integriert werden, ist die Gefahr, rückfällig zu werden, deutlich geringer. So liegt die Rückfallquote bei Straftätern, die nach kurzer Haftstrafe keine Arbeit aufnehmen, bei 69%, während in der Gruppe, die wieder einen Job findet, nur 32% erneut straffällig werden. Doch die Möglichkeiten für die Rückkehr in die Arbeitswelt sind sehr begrenzt und werden in Großbritannien durch die hohe Arbeitslosigkeit zusätzlich eingeschränkt.

Welche Strategie haben Sie zur Lösung dieses Problems entwickelt?

Paul Harrod, der Gründer von The Together Group, erkannte die Chance, dieses gesellschaftliche Problem anzugehen und mit einem auf Eigenfinanzierung basierenden flexiblen Geschäftsmodell eine Lösung anzubieten. Auf dieser Grundlage wurde ein Programm entwickelt, das ehemaligen Straftätern durch geförderte Erwerbstätigkeit, Qualifizierungsmaßnahmen und maßgeschneiderte Betreuung den Weg in ein festes Beschäftigungsverhältnis ebnen und so den Teufelskreis erneuter Straffälligkeit durchbrechen und ihr Leben nachhaltig verändern soll. Durch die Bereitstellung von Arbeitsmöglichkeiten im Baugewerbe wollte Paul Harrod ehemaligen Strafgefangenen aufzeigen, dass ein Leben ohne kriminelle Taten möglich und erstrebenswert ist.

Hinter dem Konzept stand ein wirtschaftlich tragfähiges Geschäftsmodell, bei dem leer stehende und baufällige Immobilien aufgekauft und mit Hilfe ehemaliger Straftäter renoviert, umgebaut und saniert werden sollen. Hierbei erlangen die eingesetzten Straftäter das nötige Selbstvertrauen und die für eine dauerhafte Beschäftigung in diesem Sektor geforderten Fertigkeiten. Gleichzeitig lernen sie, was es heißt, einer bezahlten Arbeit nachzugehen. Nach Abschluss der Arbeiten werden die Gebäude verkauft, und das Anfangskapital sowie jegliche Erlöse werden zur Finanzierung neuer Immobilienkäufe und Schaffung weiterer Arbeitsplätze in das Unternehmen reinvestiert.

Welchen Einfluss hatte die Triodos Bank auf Sie und Ihr Vorhaben?

Als Trustee des Restore Trust war Paul Harrod an einem subventionierten Projekt beteiligt, bei dem 98 Ex-Straftäter beschäftigt wurden, um sechs Immobilien in Bristol zu sanieren. Dies gab ihm den Anstoß, mit einem eigenfinanzierten flexiblen Geschäftsmodell an diesen Erfolg anzuknüpfen. Was fehlte, war das nötige Startkapital. Durch Kontakte im Sozialsektor wurde Harrod auf Triodos aufmerksam, wo er mit nichts als einer Idee und einem Rohentwurf zur Umsetzung dieses Konzepts vorstellig wurde.

Die Triodos Bank wirkte von Anbeginn aktiv an der Entwicklung des Unternehmens mit. Die soziale Reichweite des Modells stand außer Frage, doch das Risiko, in ein völlig neues Modell zu investieren, war hoch und aus rein wirtschaftlicher Sicht nur schwer zu rechtfertigen. Überzeugt vom Potenzial dieser Geschäftsidee untersuchte das Corporate Finance-Team der Triodos Bank die langfristigen Perspektiven des Vorhabens und lieferte die Bestätigung auf Basis der Idee, das Modell auf andere Städte zu übertragen und an dortige Verhältnisse anzupassen.

„Ohne die Hilfe von Triodos wäre all dies nie möglich gewesen“, so Paul Harrod. „Die Bereitschaft, mir dabei zu helfen, aus einer großartigen Idee ein reales Unternehmen zu machen, war für den Erfolg dieses Projekts ebenso entscheidend wie die Beratung, wann der richtige Zeitpunkt für das Investment ist und wie Anleger von der Idee überzeugt werden können.“

Mit Hilfe von Triodos konnte die Idee reifen und schließlich in die Tat umgesetzt werden. So gelang es in enger Zusammenarbeit mit Paul Harrod, das Konzept zu einer tragfähigen Anlagealternative weiterzuentwickeln. Ganz am Anfang dieses Prozesses stand die Aufgabe, Paul Harrod ein Team aus Kräften mit Erfahrung im Bereich Immobilienentwicklung und Sanierung an die Seite zu stellen. Anschließend fungierte Triodos als Lead Advisor für das erste Fundraising im Jahr 2011, bei dem durch soziale Investments 600.000 GBP zusammenkamen. Mit diesem Startkapital und einem kurzfristigen Darlehen der Triodos Bank finanzierte Bristol Together den Kauf und die Sanierung der ersten beiden Immobilien.

Bestärkt durch den Erfolg dieses Pilotprojekts machte sich Triodos daran, weiteres Kapital einzuwerben, um Bristol Together noch einen Schritt weiter zu bringen. 2012 kamen 1 Mio. GBP im Rahmen einer Anleiheemission zusammen, die für Anleger durch innovativen Einsatz des Steuersparmodells des Community Interest Tax Relief (CITR) aus Renditesicht besonders attraktiv war. 2013 wurde die Vision, das Modell in einer anderen Region anzuwenden, mit Midlands Together Realität. Im Schulterschluss mit der Triodos Bank gelang es, durch Auflegung der The Midlands Together-Anleihe 3 Mio. GBP zur Umsetzung des Modells in den britischen West Midlands zu gewinnen.

Paul Harrod arbeitet mit Hochdruck daran, seine Idee auch in anderen Regionen des Landes zum Einsatz zu bringen. Der nächste Schritt in der Realisierung des sozialen Geschäftsmodells der Together Group ist für 2015 in Glasgow anvisiert. Unterdessen steht die Together Group in Verhandlungen mit verschiedenen Gruppen im ganzen Land. Die gesellschaftliche Bedeutung und die guten Erfolgsaussichten sprechen zweifellos dafür, dass das Together-Modell auch auf Städte in ganz Großbritanniens übertragen werden und so auch dank der eigenfinanzierten Struktur einen wesentlichen sozialen Beitrag leisten kann.

Welchen Einfluss hatte Ihr Unternehmen auf den Sektor?

In einer Zeit, in der die Kürzung staatlicher Mittel extremen Druck auf Wohltätigkeitsorganisationen und öffentliche Dienste erzeugt, bietet das Modell der Together Group eine vollständig eigenfinanzierte Lösung vielfältiger Probleme in der Gesellschaft und zeigt, welche Erfolge – sowohl in sozialer als auch in finanzieller Hinsicht – durch Impact Investing möglich sind. 2012 erfuhr das Unternehmen die nötige Anerkennung durch den Branchenverband Social Enterprise UK, der Bristol Together als bestes Social Enterprise-Start-up des Jahres auszeichnete.

Welchen Einfluss hatte das Unternehmen auf die direkte Umgebung?

Der greifbarste Erfolg der Arbeit der Together Group besteht in der Resozialisierung der beschäftigten Ex-Straftäter, indem aus ihnen produktive Mitglieder der Gesellschaft werden. Mit der Hilfe von Bristol Together konnten über 60 Menschen wieder in die Arbeitswelt integriert werden. Lediglich eine Person wurde erneut straffällig, was einer Rückfallquote von 1,6% entspricht. Zum Vergleich: Der landesweite Durchschnitt liegt bei über 25%. Mit der Bristol Together- und der Midlands Together-Anleihe sollen bis zu deren Fälligkeit Schulungs- und Mentoring-Maßnahmen für rund 300 ehemalige Straftäter finanziert werden. Die Lohnkosten summieren sich dabei auf mehr als 3 Mio. GBP.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit der Vision Ihres Unternehmens identifizieren?

Die Geschichte der Together Group demonstriert, wie mit Unternehmergeist die Probleme von Menschen angegangen werden können, die sich am äußersten Rand der Gesellschaft befinden. Indem wir Ex-Straftätern eine Perspektive bieten, helfen wir ihnen, ihr Selbstvertrauen und ihre Würde zurückzugewinnen, den Teufelskreis erneuter Straffälligkeit zu durchbrechen und einen wesentlichen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten. Das Ergebnis ist eine bessere und friedlichere Gesellschaft für alle. Dank des auf Eigenfinanzierung gründenden Modells zeichnet sich das Unternehmen auch durch finanzielle Nachhaltigkeit aus, kann es so sein Leitbild doch ohne Rückgriff auf Zuschüsse oder öffentliche Mittel verteidigen. Und der Einsatz innovativer Finanzierungsmodelle bietet Anlegern die Chance auf eine attraktive Rendite, während dadurch gleichzeitig spürbare Vorteile für die Gesellschaft als Ganzes erreicht werden.

Methodik

Unseren Schätzungen zufolge entsprechen die von uns bereitgestellten Kredite rund 45% des Marktwertes des gesamten Immobilienbestands des sozialen Wohnungsbaus, und wir haben einen Immobilienwert von ca. 75.000 EUR pro Mieter zugrunde gelegt.