Biologische Lebensmittel und ökologische Landwirtschaft

Wirkungsmessgrößen

Die Produktion aus ökologischer Landwirtschaft der von der Triodos Bank finanzierten Betriebe entsprach 2013 über 19 Millionen Mahlzeiten bzw. der nachhaltigen Ernährung von 17.670 Menschen (2012: 16.800).

Europaweit finanzieren wir 29.771 Hektar ökologisch bewirtschaftete Flächen. Damit kommen auf 10,4 Kunden der Triodos Bank landwirtschaftliche Flächen in der Größe eines Fußballfeldes, die jeweils ausreichend Nahrung für 383 Mahlzeiten pro Jahr produzieren.

Methodik

Bei Konsortialkrediten legen wir eine Wirkung von 100% zugrunde, es sei denn, es steht zu befürchten, dass hierdurch die Ergebnisse verfälscht werden. Sollten uns die erforderlichen Daten nicht zu 100% vorliegen, erfassen wir mindestens 80% der Projekte in unserem Portfolio, bilden hieraus einen Durchschnittswert und rechnen die verbleibenden 20% hoch.

Sogenannte „Care-Farms“, deren Fokus auf therapeutischen Maßnahmen mithilfe der Natur, Tieren oder Pflanzen liegt, werden nur berücksichtigt, wenn die Landwirtschaft die Haupttätigkeit und Haupteinnahmequelle darstellt und dem therapeutischen Element nur eine Nebenrolle zukommt.

Die Triodos Bank verwendet das vom World Wild Life Fund for Nature (WWF) entwickelte Konzept des ökologischen Fußabdrucks, um die geschätzte Gesamtzahl der Menschen zu bestimmen, die von Anbauflächen ernährt werden können, die mit der Finanzierung durch die Triodos Bank ökologisch bewirtschaftet werden können. Dabei handelt es sich um einen theoretischen Ansatz, der eine Verbindung zwischen der Ernährungsweise von Menschen und der für die entsprechenden Nahrungsmittel erforderlichen Anbaufläche herstellt.

Der ökologische Fußabdruck ist eine Messgröße für ressourcenverbrauchende wirtschaftliche Aktivitäten, die in globalen Hektar (gHa) angegeben wird. Im Rahmen des WWF-Projekts Living Planet hat der WWF für viele Länder Schätzwerte für den ökologischen Fußabdruck ermittelt. Diesen Schätzungen zufolge gilt für die gesamte EU ein Richtwert von 1,17 gHa Ackerland und 0,19 gHa Weideland, um eine Person für den Zeitraum eines Jahres zu ernähren. Der WWF liefert Schätzungen für jedes der fünf Länder, in denen die Triodos Bank Projekte im Bereich ökologische Landwirtschaft finanziert. Auf der Grundlage dieses Datenmaterials haben wir die Anzahl von Menschen geschätzt, die mit drei täglichen Mahlzeiten von der ökologisch bewirtschafteten Anbaufläche der von der Triodos Bank finanzierten Betriebe ernährt werden können.

Die Kalkulationen zur „Wirkung pro Kunde“, die in unserer Wirkungsanalyse zu finden ist, basieren auf der durchschnittlichen Einlage pro Kunde über die fünf Niederlassungen der Bank hinweg betrachtet (Ende 2013: 517.000 Kunden). Diese Zahl wird dann ins Verhältnis zur Gesamtwirkung der Triodos Bank in einem bestimmten Sektor gesetzt. Die Größe des Fußballfeldes wurde mit 0,6 Hektar festgesetzt.

Unser Leitbild und Leistungsspektrum

Kreditvergabe biologische Lebensmittel und ökologische Landwirtschaft

Prozentualer Anteil unserer Kredite im Bereich biologische Lebensmittel und ökologische Landwirtschaft

  • 3,2% an ökologische Landwirtschaft
  • 2,1% an biologische Lebensmittelbetriebe

Kreditvergabe im Bereich biologische Lebensmittel nach Teilsektoren

Kreditvergabe im Bereich ökologische Landwirtschaft nach Teilsektoren

Die Angaben in % ergeben sich aus Daten, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung vorhanden waren.

Unser Leitbild im Bereich biologische Lebensmittel und ökologische Landwirtschaft

Für uns ist die Erde und ihr Boden Teil eines übergeordneten Systems.

Es ist an der Zeit, Anbauflächen nicht länger als unerschöpfliche Rohstoffquelle zu betrachten. Stattdessen muss die Landwirtschaft als Teil eines natürlichen Systems betrachtet werden. Dazu gehören pflanzliche Bodennährstoffe, Wasser, Artenvielfalt, Tierschutz und soziale Bedingungen.

Die Rolle der Landwirtschaft

Wir brauchen Landwirte, durch deren Arbeitsweise unsere natürlichen Ressourcen bewahrt und wiederverwertet werden. Wir wollen einen lebendigen und vielfältigen Agrarsektor mit kleineren Betrieben schaffen, die in der örtlichen Gemeinschaft eingebunden sind und Kunden aus der Region bedienen.

Tierschutz bedeutet im Wesentlichen, der Welt in der wir leben, Achtung entgegenzubringen. Damit stellt er einen wesentlichen Grundsatz der ökologischen Landwirtschaft dar.

Die ökologische Landwirtschaft hat sich dem Erhalt von Flora und Fauna verschrieben. Daher besteht ein Kernziel darin, höhere Anforderungen an eine artgerechte Tierhaltung zu stellen als es die konventionelle Landwirtschaft macht.

Die Achtung der Rechte von Tieren gründet auf der Überzeugung, dass wir Menschen als dominierende Spezies die Verantwortung für diesen Planeten tragen. Darüber hinaus ist es wissenschaftlich erwiesen, dass die höheren Anforderungen der ökologischen Landwirtschaft an eine artgerechte Tierhaltung zu gesünderen Nahrungsmitteln für uns Menschen führen (z. B. durch einen geringeren Einsatz von Antibiotika in der Behandlung kranker Tiere). Hohe Anforderungen an eine artgerechte Tierhaltung bedeuten gesünderes Vieh und damit einen Nutzen für uns Menschen. Wir können Nahrungsmittel verzehren, die ohne die Zuführung künstlicher Hormone oder Antibiotika produziert wurden.

Unser Fokus

Wir unterstützen schwerpunktmäßig Landwirte, die die Vorzüge einer im Grundsatz nachhaltigen und ökologischen Landwirtschaft unter Beweis stellen.

Darüber hinaus wollen wir erreichen, dass ein größerer Anteil der landwirtschaftlichen Nutzflächen nachhaltig bewirtschaftet wird, indem wir Landwirte finanzieren, die ihre konventionellen Betriebe auf ökologische Landwirtschaft umstellen. Außerdem setzen wir uns für eine nachhaltige Entwicklung der Lebensmittelbranche insgesamt ein: Wir finanzieren Lebensmittelhersteller, Vertreiber, Einzelhändler und Caterer, die auf nachhaltige Lebensmittel setzen und der steigenden Nachfrage nach biologischen Lebensmitteln Rechnung tragen.

Unser Leistungsspektrum

In der ökologischen Landwirtschaft werden keine künstlichen Düngemittel oder Pestizide eingesetzt, die Artenvielfalt nimmt einen wichtigen Stellenwert ein und es gelten die höchstmöglichen Standards für eine artgerechte Tierhaltung.

Daher erfolgt die Kreditvergabe der Triodos Bank im Bereich der Landwirtschaft an Betriebe, die entweder über eine Bio-Zertifizierung verfügen, auf ökologische Landwirtschaft umstellen oder ihren Betrieb klar nach ökologischen Grundsätzen führen. Darüber hinaus vergeben wir Kredite an Einzelhändler, Großhändler, Vertriebs- und Catering-Unternehmen, die auf biologische Lebensmittel, Getränke und sonstige Produkte spezialisiert sind. Über die von Triodos Investment Management verwalteten Fonds stellen wir zudem Herstellern von biologischen Lebensmitteln und Fair Trade-Produkten aus Schwellenländern finanzielle Mittel zur Verfügung.

 

Ökologisch bewirtschaftete landwirtschaftliche Flächen (in Hektar) und Anteil an der landwirtschaftlichen Gesamtfläche in Europa im Jahr 2011.

Quelle: FiBL

Europaweit finanziert die Triodos Bank 29.771 Hektar ökologisch bewirtschafteter Fläche – dies entspricht etwa 60% der gesamten ökologisch bewirtschafteten Fläche der Niederlande.

Fallbeispiel

Das Hühnermobil® – Geflügelhaltung neu gedacht

„Geld war in unserem Fall ein Beschleuniger für unsere Entwicklung. Die Triodos Bank hat an unsere Geschäftsidee geglaubt. Wir müssen Geld verdienen und die Triodos Bank natürlich auch. Wir gehen dabei fair und konstruktiv miteinander um. Unsere Bank ist ein Teil unserer Arbeit und kein Fremdkörper.“

Iris Weiland, Geschäftsführerin Stallbau Weiland

Eine gemeinsame Aufgabe und eine neue Sicht der Dinge

Durch die steigende Nachfrage nach biologischen Erzeugnissen erhält auch die Frage nach einer artgerechten Tierhaltung in der ökologischen Landwirtschaft neue Bedeutung. Es dringen zunehmend Skandale an die Öffentlichkeit, die den Ruf der gesamten Branche schädigen. Daher sind alle Vertreter der ökologischen Landwirtschaft aufgerufen, gemeinsam zu handeln, denn die Gefahr besteht durchaus, dass die ökologische Landwirtschaft aufgrund ihres Erfolges in die Muster der konventionellen Landwirtschaft verfällt.

Zudem sah sich die ökologische Landwirtschaft in Sachen artgerechte Tierhaltung schon immer einigen Dilemmata diesbezüglich gegenüber, z. B. in der Geflügelhaltung. Diese Dilemmata erfordern neues Denken und die Entwicklung innovativer Techniken.

Ein neues, besseres Konzept

Im Jahr 1990 gründete die Diplom-Agraringenieurin Iris Weiland zusammen mit ihrem damaligen Mann Maximilian Weiland in einer Kleinstadt in Hessen einen Bioland-Betrieb. Bioland ist der bedeutendste Verband für ökologischen Landbau in Deutschland.

1992 begann das Paar mit der Haltung von Legehennen. Schon nach kurzer Zeit war die Umgebung des Hühnerstalls aufgrund des Hühnermists völlig verschlammt und verunreinigt. Da sich Hühner von Natur aus gerne in geschützter Umgebung aufhalten, bewegen sich im Freiland gehaltene Hühner 80% der Zeit in einem Umkreis von 30 Metern um ihren Stall.

Der verschlammte Boden macht die Tiere krank, sie bekommen Würmer, Infektionen oder Darmerkrankungen und müssen tierärztlich behandelt werden. Gemäß EU-Vorschriften für ökologische Landwirtschaft dürfen Eier von Hennen, die mit bestimmten Medikamenten behandelt wurden, für einen bestimmten Zeitraum nicht verkauft werden. Für einen ökologischen Betrieb bedeutet dies erhebliche Gewinneinbußen.

Die Weilands hatten eine Lösung für das Verschlammungsproblem: Durch einen mobilen Hühnerstall kann das Weideland je nach Bedarf regelmäßig geändert werden. So haben die Hühner stets Auslauf im Grünen.

Zum damaligen Zeitpunkt gab es zwar bereits mobile Hühnerställe. Diese waren jedoch weder für größere Bestände geeignet noch konnten sie im wöchentlichen Rhythmus versetzt werden. Daher konstruierte das Ehepaar Weiland zusammen mit Beratern eine verbesserte Version des mobilen Hühnerstalls.

Die Kernidee ihrer Konstruktion, die sie Hühnermobil® tauften, ist eine geschlossene Bodenplatte, die eine Versetzung des Hühnerstalls in weniger als 15 Minuten ermöglicht. Da sich keine geeignete Konstruktionsfirma finden ließ, baute das Ehepaar Weiland im Jahr 2002 den Prototypen selbst und entwickelte im Laufe der darauffolgenden Jahre das Hühnermobil weiter.

Durch das Hühnermobil® können Landwirte Streuobstwiesen sowie abgeerntete oder brachliegende Felder mit Grasbewuchs für die Geflügelhaltung nutzen. Es vereinfacht eine artgerechte Tierhaltung und das viele Grünfutter sorgt für eine hohe Qualität und einen guten Geschmack der Eier.

Die Geschäftsidee weitertragen

Mithilfe der Triodos Bank in Deutschland konnte das Unternehmen in die Serienproduktion des Hühnermobils® einsteigen und damit das Geschäft ausweiten. Mittlerweile gibt es das Hühnermobil® in drei Ausfertigungen (für Bestände von 225 bis 1.200 Hühner) und seit kurzem gibt es sogar ein Hähnchenmobil®.

In den vergangenen drei Jahren war eine rasante Geschäftsentwicklung zu beobachten. 2014 will der Betrieb von Iris Weiland 160 Hühnermobile® produzieren. Einige Hühnermobile® wurden bereits nach Norditalien, Luxemburg, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden geliefert. Die Kunden der Hühnermobile® sind in erster Linie Biobauern, nur ein Fünftel betreibt konventionelle Landwirtschaftsbetriebe.

Ein Problem weniger für die ökologische Landwirtschaft

Die Nachfrage nach innovativen, effizienten Lösungen für die Freilandhaltung von Geflügel, wie dem Hühnermobil®, ist deutlich gestiegen seit die EU Legebatterien gesetzlich verboten hat.

Im Kampf gegen eine steigende Antibiotikaresistenz bei Tier und Mensch, die sich als Folge des übermäßigen Einsatzes von Antibiotika entwickelt, können ökologische Ansätze in der Tierhaltung, speziell auch der Geflügelhaltung, eine entscheidende Rolle spielen.

Unser Kreditkunde hat ein zentrales Problem der ökologischen Landwirtschaft gelöst und mit seiner Innovation die Aufmerksamkeit der Branche auf sich gezogen.

Umwelt