Mikrofinanzierung

Wirkungsmessgrößen

Über die speziellen Mikrofinanzfonds von Triodos Investment Management wurden im Jahr 2013 110 Mikrofinanzinstitute (2012: 99), Banken und weitere Finanzstrukturen in 44 Ländern (2012: 45) mit 7,9 Millionen Einlagekunden (2012: 6,4 Millionen) und 8,4 Millionen Kreditnehmern (2012: 6,9 Millionen) finanziert.

Methodik

Die Zahlen zur Wirkung durch Mikrofinanzierungen basieren auf umfassenden Quartalsberichten der Mikrofinanzinstitute und Banken im Portfolio sowie auf jährlichen Überprüfungen und Vor-Ort-Besuchen.

Die Kalkulationen zur „Wirkung pro Kunde“, die in unserer Wirkungsanalyse zu finden ist, basieren auf der durchschnittlichen Einlage pro Kunde über die fünf Niederlassungen der Bank hinweg betrachtet (Ende 2013: 517.000 Kunden). Diese Zahl wird dann ins Verhältnis zur Gesamtwirkung der Triodos Bank in einem bestimmten Sektor gesetzt.

Unser Leitbild und Leistungsspektrum

Kreditvergabe Mikrofinanzierung

Kreditvergabe nach Regionen

Unsere Vision

Die Triodos Bank hat sich seit ihrer ersten Investition im Bereich Mikrofinanzierung im Jahr 1994 zu einem der führenden Investoren in diesem Segment entwickelt. Wir erkannten damals, dass nachhaltige Entwicklung und die Themen Ungleichheit, soziale Exklusion und Armut miteinander verbunden und weltweite Probleme sind, und haben seither unsere Expertise im Bereich Financial Inclusion zur Bewältigung dieser globalen Herausforderungen eingesetzt.

In den letzten zehn Jahren hat sich diese Bewegung rasant entwickelt: Zahlreiche Regierungen rund um den Globus, aber auch internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen und die G-20-Staaten haben die Bedeutung des Aufbaus eines sogenannten einbeziehenden Finanzierungssektors (Inclusive Financial Sector) erkannt, der nicht mehr ganze Bevölkerungsgruppen vom Zugang zu Finanzdienstleistungen ausschließt. Immer mehr Kapitalanleger erkennen das Potenzial von Mikrofinanzierungen für eine soziale und finanzielle Rendite und suchen daher verstärkt Beteiligungsmöglichkeiten auf diesem Gebiet.

Da wir selbst Investor sind, können wir die Richtung, in die sich der Bereich Financial Inclusion entwickelt, mit beeinflussen. Wir teilen diese Verantwortung, die Interessen der Kunden von Mikrofinanzinstituten zu verstehen, anzuerkennen und entsprechend zu handeln, mit allen an der Wertschöpfungskette Beteiligten – Anlegern, den Mikrofinanzierungsinstituten, Banken und anderen Stakeholdern. Die Kunden von Mikrofinanzinstituten leben im Allgemeinen von einem sehr niedrigen Einkommen und sind wegen mangelnder Kenntnisse im Finanzbereich und fehlenden Einflusses noch zusätzlich benachteiligt. Die Interessen dieser Menschen und ihrer Familien in den Mittelpunkt zu stellen, ist für uns der Schlüssel zu einer nachhaltigen Entwicklung im Finanzsektor.

Eine Gruppe von Investoren, zu denen Triodos Investment Management gehört, hat die Investment Principles for Inclusive Finance erarbeitet, die dazu beitragen sollen, dass sich der Finanzdienstleistungssektor stärker an den Interessen seiner Kunden ausrichtet. Diese Investoren gehen davon aus, dass solche Grundsätze für den Bereich Financial Inclusion die Entwicklung hin zu einer verantwortungsbewussten Finanzbranche fördern werden. Die Grundsätze wurden gemeinsam mit einer großen Gruppe von Stakeholdern entwickelt, zu denen auch die United Nations Principles for Responsible Investment Initiative (UNPRI) gehört. Sie wurden im Januar 2011 offiziell eingeführt.

Die Triodos Bank unterstützt den Sektor auch in anderer Hinsicht: Wir haben erkannt, dass wir in einer vernetzten Welt leben, in der Veränderungen in einem Land, z. B. Wirtschaftskrisen, tiefgreifende Auswirkungen auf Länder auf der anderen Seite des Erdballs haben können. Diese Vernetzung birgt jedoch auch enorme Chancen. So war die Triodos Bank Mitgründerin der Global Alliance for Banking on Values, einem Bankennetzwerk, das durch die Bedienung bislang von der Versorgung mit Finanzdienstleistungen abgeschnittener Menschen oder Gemeinschaften deren nachhaltige Entwicklung und auch einen nachhaltigen Umgang mit der Umwelt fördert.

Fallbeispiel

Die ACLEDA Bank in Kambodscha

Von Vertriebenen für Vertriebene

ACLEDA wurde im Jahr 1993 als Nichtregierungsorganisation (NGO) für Mikrofinanzierungsgeschäfte für Menschen gegründet, die aus thailändischen Flüchtlingslagern nach Kambodscha zurückkehrten. Obwohl er über keinerlei Bankerfahrung verfügte, war Mitbegründer und CEO In Channy – ebenfalls ein Flüchtling – entschlossen, eine Bank für die kambodschanische Landbevölkerung zu gründen und zu betreiben. Zu dieser Zeit war die Infrastruktur in Kambodscha nach dem Pol Pot-Regime komplett zerstört. Überall herrschte Armut, Millionen von Menschen waren getötet, andere traumatisiert zurückgelassen worden. Die Wirtschaft des Landes stützte sich ausschließlich auf Bargeld, und es existierte kein adäquates Rechtssystem.

Kartelle und Korruptionsbekämpfung

In diesem äußerst schwierigen Umfeld nahm die ACLEDA Bank mithilfe einer Reihe internationaler Entwicklungsfinanzierer ihre Geschäftstätigkeit auf. Eines der Probleme, mit denen die ACLEDA Bank zu kämpfen hatte, war das fehlende Finanzwissen der Bevölkerung. Die Menschen hatten keinerlei Vertrauen in Banken und auch keine Vorstellung von möglichen Angeboten einer Bank. Eines der wichtigsten Anliegen der Bank besteht nach wie vor darin, das Vertrauen ihrer Kunden zu gewinnen.

Die Bank machte von Anfang an klar, dass sie keinerlei Korruption duldet und dieser Grundsatz gilt auch heute noch. Wenn Sie heute einen Studenten in Kambodscha fragen, wo er gerne arbeiten möchte, wird die Antwort ACLEDA Bank lautet, da sich diese durch eine beeindruckend transparente Kultur auszeichnet. Junge Kambodschaner sehen tagtäglich, wie Korruption ihr Land zugrunde richtet und betrachten die Wertvorstellungen der ACLEDA Bank als erstrebenswerte Alternative. Positiv ist auch, dass die Bank mit ihrem Modell am kambodschanischen Finanzsektor einen Stein ins Rollen gebracht hat.

Auf dem Weg zu einem beaufsichtigten Finanzinstitut

Triodos Investment Management kam erstmals 1999 mit ACLEDA in Berührung. Das Unternehmen hatte sich positiv entwickelt und konnte rentabel arbeiten. Damals vollzog ACLEDA gerade den Übergang zu einem spezialisierten lizenzierten Finanzinstitut. Mit einer entsprechenden Lizenz würde ACLEDA eine breitere Palette an Produkten und Dienstleistungen, einschließlich Sparprodukte, anbieten können. Damit könnte ACLEDA auf Kundenbedürfnisse eingehen und auf lokale Finanzquellen zugreifen. Außerdem plante ACLEDA, die Geschäftstätigkeit – in Einklang mit ihrem Leitbild – zu erweitern und ein Netzwerk aufzubauen, das sich über sämtliche Provinzen und Städte Kambodschas erstreckt.

Erster privater Investor: die Triodos Sustainable Finance Foundation

In dieser Phase war eine neue Kategorie von Investor gefragt. Als ACLEDA im Jahr 2000 eine Lizenz als spezialisiertes Finanzinstitut erhielt, beteiligten sich drei internationale Finanzinstitute (IFIs) und die Triodos Sustainable Finance Foundation (vormals Triodos-Doen) als erster privater Investor an der Bank. 2003 wurde ACLEDA Bank Ltd. zu einer vollwertigen Geschäftsbank und änderte ihren Namen in ACLEDA Bank Plc. Als weitere Anteilsinhaber kamen der Triodos Fair Share Fund (2003) und der Triodos Microfinance Fund (2010) dazu. Ein Führungsmitarbeiter der Triodos Bank vertritt die Interessen der Fonds im Verwaltungsrat von ACLEDA und bringt dort unser Wissen sowie das Thema nachhaltiges Banking ein.

Rasante Entwicklung

Heute ist die ACLEDA Bank gemessen an ihrer Bilanzsumme die größte Bank in Kambodscha. Sie hat ihr Produktangebot erweitert, ein landesweites Netzwerk aus 238 Filialen aufgebaut, Geldautomaten aufgestellt und bahnbrechende Innovationen wie Mobile Banking-Dienste über das Handy eingeführt. Nächstes Projekt ist die Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen. Zum Jahresende 2013 betreute die Bank mit 9.451 Mitarbeitern 335.627 Kreditnehmer und 1.105.167 Einlagekunden. ACLEDA eröffnete zudem eine Bank in Laos (2008), wo das Unternehmen zu den führenden privaten Geschäftsbanken gehört, sowie ein Mikrofinanzinstitut in Myanmar (2012). Dort zählt die Bank zu den wenigen Instituten mit einer Zulassung für Mikrofinanzgeschäfte.

Die Geschäftsbeziehung der Triodos Bank mit der ACLEDA Bank unterstreicht unseren langfristigen Fokus und unser Ziel, Finanzinstitute dabei zu unterstützen, die nächste Entwicklungsstufe zu erreichen. Die Entwicklung der ACLEDA Bank von einer kleinen NGO hin zu einer der heute renommiertesten Banken der Schwellenländer hautnah mitzuerleben, war für uns eine wahrhaft lohnenswerte Erfahrung. Da ACLEDA Bank Plc. inzwischen hinsichtlich Kriterien wie Reichweite, Unternehmensführung, Risikomanagement und Performance als Vollbank mit einer gewissen Marktreife gilt, hat sich Triodos Investment Management entschlossen, fast die Hälfte der Eigenkapitalbeteiligung von 12,25% an den neuen strategischen Investor ORIX Corporation, einen Finanzdienstleistungskonzern mit Sitz in Japan, zu verkaufen. Der Verkauf wurde im Februar 2014 zum Abschluss gebracht. Triodos Investment Management wird auch künftig über eine Minderheitsbeteiligung mit dem Unternehmen verbunden sein und den Sitz im Verwaltungsrat behalten.

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